Pressestimmen 2003

Eine Buchbinderei mit klaren Zielen

Erschienen in: "Grafische Palette"

MAN Leipzig installiert bei JOHST in Wermsdorf weitere Theisen & Bonitz-Broschürenstraße

Das Buchbinden in seiner heutigen Form ist das Ergebnis einer etwa 1500jährigen Entwicklung, deren Werten und Qualitätsansprüchen sich die Buchbinderei Thomas Johst im Besonderen verpflichtet sieht. Deshalb sind die Ansprüche auch an Weiter­verarbeitungs-Maschinen im Hause Johst sehr hoch gesteckt. Begonnen hat alles zehn Jahre vor der großen Wende. Vater Dieter Johst, gelernter Buchbinder und Buchbindemeister, machte sich unter dem DDR-Regime selbstständig. Er übernahm einen klassischen Buchbinderei-Betrieb in Leipzig, der sich in der Hauptsache mit dem traditionell handwerklichen Binden, Reparieren und Restaurieren von Bucheinbänden beschäftigte. Zu seinen Kunden zählten vorwiegend Bibliotheken.

Im Bereich der Heißfolienprägungen kam dann noch eine große Anzahl von Privatkunden hinzu. Neben den Bucheinbänden war zu dieser Zeit auch das Einbinden von Fachzeitschriften und Tageszeitungen, heute noch von Sohn Thomas gepflegt, ein beachtliches Tätigkeitsfeld.

Zuerst kam Stillstand

Nach der Wende kam zunächst der große Stillstand. Keiner wusste so recht, wie die Ent­wicklung weitergehen würde, wohin man sich orientieren sollte. So hielt sich Dieter Johst zunächst mit der Produktion von „Zuckertüten" über Wasser. Sohn Thomas Johst, der 1986 bei seinem Vater die Ausbildung zum Buchbinder begonnen hatte, wechselte in dieser Zeit zunächst zu einer großen Indu­striebuchbinderei nach Essen. Ein halbes Jahr später kehrte er jedoch – um einige Erfahrungen reicher – wieder in den elter­lichen Betrieb nach Leipzig zurück und arbeitete dort bis 1994 aktiv mit.

Der Weg zum eigenen Unternehmen

1994 gründete Thomas Johst sein eigenes Unternehmen in der Rechtsform einer GmbH. Vater Dieter Johsts Betrieb blieb unberührt davon eine eigenständige Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR).

Thomas Johst setzte verstärkt auf aufkommende Dienstleistung mit höherer Automatisierung und intelligenten Maschinenlösungen, während sein Vater es vorzog, dem traditionellen Buchbinder-Handwerk die Treue zu halten. So bewahrte sich der Vater seinen Kundenstamm, während sich der Sohn einen eigenen aufbaute. Erfolgswille, Fleiß und hohe Dienstleistungsbereitschaft legten schnell den Grundstock für einen soliden Firmenaufbau.

Nur kurze Zeit nach seiner Firmengründung zog es Thomas Johst von Leipzig weg nach Wermsdorf. Wermsdorf ist zwar auf den ersten Blick kein zen­traler Wirtschaftsstandort, aber wenn es um die Verarbeitung von Druckerzeugnissen geht, kommt es darauf nicht als erstes an. Ausschlaggebend ist viel­mehr die Nähe zum Kunden.

Wichtige Weichenstellungen

1996 war das Jahr der wichtigen Weichenstellungen für den noch jungen Betrieb. Mit einer Stielow Horizon-Turmanlage mit angeschlossener Broschürenher­stellung und einem Heft-Falz-Schneidaggregat, ergänzt durch einen Horizon-Klebebinder, ebenfalls von Stielow, ging Thomas Johst in gemieteten Räumen an den Start. Auf diesem System wurden die ersten SD-Sätze maschinell zusammengetragen und Rückstichbroschüren in höheren Auflagen produziert. Ein Stanzautomat und Stanztiegel sowie ein Stoppzylinder erweiterten Zug um Zug den Maschinenpark für ein erweitertes Dienstleistungsangebot des Hauses Johst. Das Produktionsspektrum wuchs mit den Kundenanforderungen. 1997 bestand Thomas Johst zudem seine Prüfung als Buchbindermeister.

Bereits 1999, nur drei Jahre nach Gründung der Buchbinder Johst, begann im Industriegebiet von Wermsdorf der Bau einer eigener Produktionsstätte mit 450 qm auf einem 2000 qm-Grundstück. Gleichzeitig begannen die Vorbereitungen für die Zusammenführung der bisher getrennt arbeitenden Unternehmen von Vater und Sohn im Jahr 2000 im eigenen Firmengebäude. Dort werden die Leipziger Kunden auch heute noch ausschließlich vom Vater betreut.

Neue Geschäftsfelder im Visier

Mit dem inzwischen gewachsenen Maschinenpark und den Nischenangeboten wie Prägen, Konfektionieren oder der Sortimentsbuchbinderei für Buchproduktion in Klein- und Kleinstauflagen, Buchreparaturen und Restaurationen stieg auch die Nachfrage bei der Broschürenfertigung. Zudem kamen verstärkte Nachfragen im Bereich der Kalenderproduktion hinzu.

Das brachte Thomas Johst auf den Gedanken, diesen Geschäftszweig mit moderner Maschinentechnik weiter auszubauen. So nutzte er die Drupa 2000, um sich nach geeigneten Maschinen umzusehen. Dabei unterstützte ihn Thomas Müller von MAN Roland Leipzig. Sehr schnell erwies sich das Theisen & Bonitz-Modell tb-sprint als das vorteilhafteste für Johsts Wün­sche: schnell, flexibel und zu­verlässig. So wurde diese Anlage für die Anschaffung ins Auge gefasst.

Zunächst musste aber ein neues räumliches Problem gelöst werden. Die gerade erst gebauten und vom Platz her bereits ausgelasteten Produktionsräume ließen die Installation einer Anlage von der Größe der tb-sprint nicht mehr zu. Johst entschloss sich also kurzerhand zum Ausbau der bestehenden Produktionsfläche um weitere 100 qm Nutzfläche. Mit der Fertigstellung des Anbaus konnte dann gleich die 15 Stationen tb-sprint von Theisen & Bonitz geliefert werden. Installiert und in Betrieb genommen wurde sie von der Vertretung MAN Roland Leipzig.

Kalender und Broschüren

Für die Kalenderproduktion vor­gesehen, aber gleich mit einer Heft-Falz-Schneidstraße aus­gestattet, konnte die tb-Anlage die Kalenderfertigung und die Broschürenherstellung bestens bedienen. Niemand hatte jedoch damit gerechnet, dass die Kalenderproduktion bei Johst so stark zunehmen würde, dass bereits 15 Monate später der Einsatz einer zweiten Zusammentraganlage erwogen werden musste, um die Produktion von Kalendern und Broschüren auf getrennten Anlagen fahren zu können. Denn die Kalender hatten Broschüren-Aufträge nach sich gezogen, und auch die Broschüren hatten den einen oder anderen Kalenderauftrag mit sich gebracht. Zudem hatte sich inzwischen auch die zuverlässige Arbeitsweise der Buchbin­derei herumgesprochen. So kamen immer mehr Anfragen von Agenturen und Druckereibetrieben aus dem gesamten Umland ins Haus.

Alles sprach für Theisen & Bonitz

Durch die positiven Erfahrungen der letzten 15 Monate mit dem Theisen & Bonitz-Produkt sowie mit der guten Betreuung durch MAN Roland Leipzig war es dann für die Familie Johst sofort beschlossene Sache, auch die zweite tb-Anlage bei Thomas Müller von MAN Roland Leipzig zu bestellen.

Ergänzend zur bereits eingesetzten tb-sprint im Format 35x50 cm bot es sich an, die zweite Maschine auf das Format 50x70 cm auszulegen, um in der Broschürenherstellung noch flexibler zu sein. Mit diesen beiden Formatvarianten hat Johst jedenfalls kein Problem, die an ihn und sein Unternehmen gestellten Anforderungen schnell und vor allem in hoher Qualität zu erfüllen. Kurze Lieferzeiten ohne Qualitätsverluste lassen sich eben nur mit Systemen realisieren, die technisch ausgereift sind und im Handling exakt auf die Erfüllung der Kundenwünsche hinsichtlich kurzen Produktionszeiten auf hohem Qualitätsniveau ausgelegt sind. Dass auch diese Maschine weitere Aufträge und vor allem neue Aufgabenstellungen ins Hause bringt, dessen ist Johst sehr sicher.

Gemeinsam wachsen

Dass die beträchtlichen Investitionen in relativ kurzer Zeit auch unter Finanzierungsaspekten überschaubar bleiben, untersteht in dem zukunftsorientierten Unternehmen in Wermsdorf der Verantwortung von Clara Johst, Ehefrau von Thomas Johst. Als gelernte Bankkauffrau unterstützt sie ihrem Mann im Büro und erzieht zudem die beiden gemeinsamen Kinder. Eine tolle Leistung, die einmal mehr den Unternehmergeist der vielen und für die Branche so wichtigen mittelständischen Unternehmen unter Beweis stellt. Immerhin trägt Thomas Johst inzwischen die Verantwortung für Lohn und Brot von insgesamt zehn Mitarbeitern. Und wenn es nach den Plänen und Vorstellungen des dynamischen Unternehmers geht, wird es bei dieser Mitarbeiterzahl nicht bleiben, schlechte Zeiten hin, schlechte Zeiten her…

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